„Es ist schön hier.“
Ich saß auf dem weißen Stuhl in einem weißen Zimmer und ließ die Beine baumeln. Der Raum war hell, still und sicher. Niemand war hier, nur Emma und ich.
„Ganz schön ruhig hier“ sagte ich und blätterte weiter in einer Zeitschrift. Mittlerweile schon die Fünfte, die ich in der Hand hielt. Einige hatte ich schon mehrmals gelesen. Zeitschriften über Selbstliebe, Loslassen, Heilung, Grenzsetzung und das Leben.
Emma: „Ja, sehr ruhig…“
Tag für Tag saß ich dort und las weiter meine Zeitschriften und je mehr ich las, desto mehr glaubte ich zu verstehen. Mich, Die Welt. Die Menschen. Die Liebe.
„Weißt du, irgendwie gefällt es mir hier.“
Emma nickte und wirkte nachdenklich, dann sah sie zur Tür.
„Was ist?“
Emma: „Nichts.“
Ich blätterte weiter und dann hielt ich inne und es traf mich wie ein Blitzschlag, da ist eine Tür! Und da noch eine! Auf einmal sah ich mich in dem Raum um und da waren mehr Stühle, Zeitschriften. Ich runzelte die Stirn: “ Emma? Das hier ist gar nicht unser weißer Raum!“
Emma: „Nein, ich weiß. Das ist das Wartezimmer.“
Ich lachte: „Nein!“, doch während ich es sagte, wusste ich, dass sie recht hatte und ich verstand wieso ich hier seit Tagen sitze und nie aufgestanden bin, um zu gehen. Wieso ich unbewusst immer wieder zur Tür geschaut habe, warum ich bei jedem Geräusch aufgehorcht hatte, warum ich inne hielt, wenn ich dachte Schritte zu hören.
Ich meine mich sogar zu erinnern ein Schatten hinter der Milchglasscheibe gesehen zu haben. Doch ich hatte es nicht gewagt, die Tür aufzumachen, weil es nur von außen erlaubt war.
Ich hatte gewartet. Die Ganze Zeit. „Emma? Worauf warten wir eigentlich die ganze Zeit?
Emma:“ Du weißt es doch,“
Ich schwieg, weil ich die Antwort kannte. Wir hatten gehofft, dass irgendwann jemand die Tür öffnet. Uns aufruft. Uns abholt. Dass irgendwann jemand vor uns steht und sagt:“ Ich habe es verstanden. Jetzt können wir wieder nach Hause gehen.“
Emma:“ Ich vermisse ihn. Meinst du er kommt noch?“
Da verstand ich endlich, warum sie ganze Zeit noch so traurig gewesen ist. Draußen ging währenddessen das Leben weiter, Menschen lachten, verliebten sich, zogen los, machten Fehler, Fanden neue Wege und wir? Wir saßen im Wartezimmer.
Wir hatten einige Einladungen erhalten, aber wir hatten sie nicht angenommen, denn dafür hätten wir den Raum verlassen müssen und tief drinnen glaubte Emma noch, dass er klopft. Vielleicht morgen, vielleicht nächste Woche, vielleicht genau in diesen Augenblick, in dem wir gehen.
Emma:“ Ich habe Angst, dass niemand kommt und das wir umsonst gewartet haben.“
Ich lächelte traurig:“ Das haben wir nicht.“ Ich zeigte auf die Zeitschriften auf den Stapel neben uns, den Stapel voller Gedanken, voller Erkenntnisse und Wachstum. „Wir haben nicht nur gewartet. Wir haben gelernt und uns erholt.“ Ich sah mich um und verstand, dass der Raum nicht umsonst gewesen war. Der Raum hatte uns beschützt und uns geholfen. Er hatte uns gezeigt, dass wir uns selbst genügen können. Dennoch war er nie dafür gedacht unser neues zu Hause zu werden.
Ich stand auf:“ Komm, Emma! Es wird Zeit!“
Emma:“ Ich kann noch nicht.“
„Doch das kannst du. Wir sind hier fertig. Wir verkümmern hier sonst noch.“
Emma:“ Was ist, wenn er genau dann kommt. Er müsste jede Sekunde kommen, soviel Zeit ist schon vergangen und dann sind wir nicht mehr da?“
„Wir haben lange genug gewartet.“
In dem Moment stand ich auf, die Beine ganz wackelig vom Sitzen, die Hände zittrig vor Aufregung. Ich ging auf die Tür zu. Griff nach der Türklinke blickte ein letztes Mal zurück auf den Stuhl, wo ich eben noch saß. Der Blick weiter zu den Zeitschriften und den Stapel voller Wissen und obwohl ich das Leid von Emma spürte, wie es schmerzte, wusste ich plötzlich etwas. Wir haben lange gewartet, voller Hoffnung und Sehnsucht, aber es war lange genug.
Und als die Tür hinter uns zufiel und es kein zurück mehr gab. da sagte ich zu Emma:
„Das hier ist nicht das Ende des Wartens. Es ist der Anfang des Lebens,“
_stay_wonderful_